Das Festival

Mord am Hellweg trauert um Maj Sjöwall

Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Per Wahlöö hatte Maj Sjöwall zwischen 1965 und 1975 die zehnteilige Romanreihe über den Hauptkommissar Martin Beck geschrieben. Die Werke wurden in 40 Sprachen übersetzt und stellten zudem die Grundlage für die deutsch-schwedische Krimi-Filmreihe "Kommissar Beck" dar, die im Ersten und im ZDF immer wieder ein Millionenpublikum in den Bann zog.

Sie gewannen zahlreiche Preise, u. a. 1971 einen "Edgar Allan Poe Award" in der Kategorie Best Novel für den Roman "The Laughing Policeman" (dt.: Endstation für neun). 1996 erhielt Sjöwall für die erste Serienverfilmung von Kommissar Beck den "Adolf-Grimme-Preis".

Das Autorenpaar gilt ohne Zweifel als "Eltern" des skandinavischen, sozialkritischen Kriminalromans. Sjöwall und Wahlöö waren in der skandinavischen Literaturszene das stilistische Vorbild für die international populären Skandinavien-Krimis der folgenden Jahrzehnte, deren Erfolgsgeschichte namhafte Autoren wie Henning Mankell, dessen Kommissar Wallander knapp 30 Jahre später sehr erfolgreich in die Fußstapfen des Kommissars aus Ystadt treten sollte, oder etwa Stieg Larsson und Arne Dahl fortschrieben.

Auch der dänische Erfolgsautor Jussi Adler-Olsen nannte Maj Sjöwall und Per Wahlöö als die Ideengeber und Motoren des skandinavischen Kriminalromans.
Nach dem Tod von Wahlöö Mitte der Siebzigerjahre schrieb Sjöwall nur noch wenige Romane, stattdessen arbeitete sie vor allem als Übersetzerin und Lektorin. Maj Sjöwall musste lange für die Rechte an den Verfilmungen der Beck Reihe kämpfen, die ihr letztendlich nach jahrelangen Auseinandersetzungen zuerkannt wurden.

Von 2004 bis 2010 war Maj Sjöwall beständiger Gast auf unserem Festival. Sie las gemeinsam mit Ingrid Noll, Jürgen Alberts oder Solo, war beim Familienfest in Werl mit dabei oder trat auf der Abschlussgala in Schwerte auf. In 2008 war sie für den Europäischen Preis für Kriminalliteratur nominiert. Ihre "Patin" war Ingrid Noll, die sie in einer Veranstaltung in Beckum dem Publikum als "ihre Kandidatin" vorstellte.

Mit dem deutschen Schriftsteller-Kollegen Jürgen Alberts verband Maj Sjöwall nicht nur eine enge Freundschaft, sondern sie arbeiteten auch gemeinsam an diversen Kurzgeschichten. Für den Krimi-Story-Band "Mord am Hellweg IV" schrieb Sie gemeinsam mit Jürgen Alberts den Kurzkrimi über Fröndenberg "Fröndenberger Trichtertod" und im Kulturhauptstadtjahr 2010 recherchierten sie gemeinsam für Ihre Story "Killerjagd auf Zollverein" auf der Zeche Zollverein in Essen. Der Kurzkrimi erschien in der Anthologie "MordsMetropoleRuhr" beim Grafit-Verlag und beide trugen die Geschichte in Essen vor. Maj hatte sichtlich Vergnügen an dieser Recherchetour und lies sich von unserem damaligen Guide alle Utensilien des Bergbaus genauestens erklären. Jetzt ist die Pionierin des Skandinavien-Krimis nach langer Krankheit mit 84 Jahren gestorben.