Das Festival

Tagung "Zur Ästhetik des Kriminalromans"

Save the date!
Zur Ästhetik des Kriminalromans
Tagung, 02. bis 04. Oktober 2020, Haus Opherdicke Holzwickede (Kreis Unna)

"Öffentlichkeit trifft Literatur trifft Wissenschaft": Unter diesem Motto möchte "Mord am Hellweg" anlässlich seines 10. Jubiläums im Herbst 2020 neue Akzente im Diskurs um den Kriminalroman setzen. 2002 als Biennale gegründet hat das Festival von Beginn an neue Maßstäbe in der Interaktion mit diesem literarischen Genre gesetzt. Um dieser Vorreiterfunktion weiterhin gerecht zu werden, will das Festival vom 02. bis 04. Oktober 2020 mit einer (öffentlich zugänglichen) Fachtagung die Diskussion über die Qualität der Gattung, ihre Anerkennung und/oder mindestens stärkere Rezeption in der Wissenschaft und ihren Platz in der Literaturwelt entfachen.

Hochkarätige Gäste werden erwartet. Zugesagt haben als Autor*innen Bernhard Aichner (Österreich), Gianrico Carofiglio (Italien), Garry Disher (Australien), Sara Gran (USA), Denise Mina (UK), Dror Mishani (Israel), Friedrich AniElisabeth Herrmann und Merle Kröger aus Deutschland. Ebenso haben folgende Literaturwissenschaftler*innen, -kritiker*innen und Lektor*innen ihre Teilnahme bestätigt: Thekla Dannenberg, Joachim Feldmann, Tobias Gohlis, Prof. Christof Hamann, Nele Hoffmann, Prof. Thomas Kniesche, Elmar Krekeler, Tatjana Michaelis und Prof. Dr. Doris Wieser. Antje Deistler, Andrea Gerk, Sonja Hartl, Rebecca Link und Ulrich Noller werden Panels moderieren. Letzte Autor*innen sowie letzte spannende internationale Referent*innen aus der Literaturwissenschaft, dem Verlags-, Bibliotheks- oder Buchhandlungswesen und der Literatur- bzw. Krimikritik werden in den nächsten Wochen dazustoßen.

Als Kuratoren der Tagung konnten der mehrfach ausgezeichnete Autor Oliver Bottini und der Herausgeber und Literaturkritiker Thomas Wörtche gewonnen werden.

Warum eine Tagung "Zur Ästhetik des Kriminalromans"?
Trotz der prinzipiell anhaltenden hohen Konjunktur der Gattung und durchaus vorhandener stilistischer Weiterentwicklungen, wird der "Krimi" wegen seiner (angeblichen) Klischeebehaftung und künstlerisch nicht vorhandenen Stil- wie Sprachqualität in Deutschland oft genug "von oben herab" angeschaut, und zwar sowohl vom Feuilleton und der Literaturkritik als auch von der Literaturwissenschaft, die nicht differenzierend hin- oder gar ganz wegschaut.

Mit seiner Fachtagung möchte "Mord am Hellweg" eine Debatte darüber auslösen, was, wenn es diesen indifferenten Zustand tatsächlich gibt, getan werden kann, ihn zu ändern, sowohl von der kreativen Produktions- als auch von der fachspezifischen Rezeptionsseite her. Sie möchte den teilnehmenden Fachleuten zudem Anstöße geben, in Seminaren, Bibliotheken, in Zeitungen und Hörfunksendern die Frage nach der "Ästhetik des Kriminalromans" weiter zu verfolgen und auszudifferenzieren, um gegebenenfalls zu detaillierteren, vorwärtsweisenden Antworten zu kommen.

Die Veranstaltung richtet sich dabei selbstverständlich an Autor*innen, aber in erster Linie auch an Germanist*innen, vergleichende Literaturwissenschaftler*innen, Lektor*innen und Verleger*innen, an Literaturredakteur*innen und Blogger*innen, Buchhändler*innen, Fach(krimi)- sowie allgemeine Literaturkritiker*innen und Feuilletonist*innen. Zugleich ist sie aber auch für ein krimiaffines, auch an wissenschaftlicher Literaturkritik interessiertes Publikum öffentlich zugänglich.

Ergänzt wird die Tagung durch Lesungen und Gespräche mit den nationalen und internationalen Autor*innen auf öffentlichen Abendveranstaltungen, um so die ästhetische Diversität der Gattung Kriminalroman zu demonstrieren.
Vor, zwischen und nach den Diskussionen wird es beim Come Together, beim Mittagsimbiss, beim Kaffeetrinken oder beim "Après-Crime" an der Hotelbar viel Zeit und Möglichkeiten geben, untereinander und mit den Gästen ins Gespräch zu kommen.

Die Panels werden in den Sprachen Deutsch und Englisch über die Bühne gehen. Mit Hilfe von Simultandolmetscher*innen können Zuhörer*innen den Übersetzungen über Kopfhörer folgen. Vom Tagungshotel zu den Lesungsorten und zum Hotel retour wird es einen Bus-Shuttleservice geben. Das gesamte Programm und verschiedene Modelle der Teilnahme werden derzeit weiter ausgebaut. Mehr Informationen (auch zu Anmelde- und Teilnahmegebühren sowie Unterbringungskosten) gibt es demnächst auf dieser Webseite.

Die Plätze sind begrenzt. Verbindliche Anmeldungen werden voraussichtlich (spätestens) ab Anfang Dezember über ein Anmeldeformular auf dieser Webseite möglich sein.

Gerne können Sie sich aber schon jetzt einen Platz unverbindlich reservieren lassen. Für vorzeitige Platzreservierungen oder Fragen wenden Sie sich bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Öffentliche Fachtagung „Zur Ästhetik des Kriminalromans“
Zeitraum: 02. bis 04. Oktober 2020
Tagungsort: Haus Opherdicke, Holzwickede (Kreis Unna)
Tagungshotel: Katharinen Hof, Ringhotel Unna
Orte Lesungen (im Rahmen der Tagung): u.a. Rohrmeisterei Schwerte, Ringhotel Katharinenhof, Haus Opherdicke

 

Collage Tagung

 

Panels

Panel I
Der Kriminalroman – das Stiefkind der Literaturwissenschaft?
Biedere Magisterarbeiten und Promotionen über "Krimis" sind inzwischen normal, auch wenn sie meistens außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung laufen. Habilitationen findet man dagegen selten. Kriminalliteratur ist forschungsstrategisch an Universitäten immer noch "exzentrisch". Mit diesem Panel soll der Status quo der (fehlenden?) Auseinandersetzung der deutschsprachigen Literaturwissenschaft mit dem Kriminalroman diskutiert werden. Es geht darum, methodische Ansätze und Analyseinstrumentarien aufzuzeigen, um den künftigen Dialog und Diskurs von Kritikern, Wissenschaftlern und Externen über Inhalte, Form und insbesondere die Ästhetik (des aktuellen) Kriminalromans anzuregen. Dabei könnte gerade die Narratologie, die sich selten mit Kriminalliteratur auseinandersetzt, eine besondere Rolle einnehmen.

Panel II
Immer das Gleiche (!) – oder geht’s auch anders?
"Kennste einen, kennste alle" – so heißt ein alter Spruch über Krimis. Die Unterstellung, der Kriminalroman sei die "Wiederkehr des Immergleichen", übersieht die ästhetischen Unterschiede, die verschiedenen Phasen der Innovation, die unterschiedlichen theoretischen Ansätze, die Auseinandersetzung mit Traditionen, die Rolle, die allgemeine Phänomene wie Moderne und Post-Moderne auf die Kriminalliteratur haben, obwohl es – anscheinend? – keine konsensfähige "Theorie" des Kriminalromans gibt. Was also rufen die Autor*innen von zeitgenössischer Kriminalliteratur ab, und inwieweit braucht sie eine theoretische Fundierung?

Panel III
Kann Unterhaltung gut sein – und tötet Anspruch den Erfolg?
Autor*innen von Bestsellerware betonen oft, sie wollten ja "nur unterhalten“. Aber gibt es so etwas wie "reine Unterhaltung" überhaupt? Ist Erfolg schon ein Qualitätskriterium? Publikumsgeschmack und kritische Einschätzung liegen oft Welten auseinander. Wem obliegt so etwas wie "Qualitätskontrolle"? Oder gibt es objektivierbare Kriterien? Ist alles nur "Meinung", bei der Kompetenz und Expertise keine Rolle mehr spielen? So gesehen droht die Gefahr, dass sich im Genre eine neue E/U-Schere öffnet, die die Kriminalliteratur in ihrem Verhältnis zur Literatur im Allgemeinen einmal aufheben wolllte.

Panel IV
Themen und Trends – funktionieren Krimis über Inhalte?
Die meisten Kriminalromane werden als "Krimis über ..." charakterisiert. Besonders beliebt ist dabei der Hinweis auf "heiße Eisen", also Themen, die die Gesellschaft gerade beschäftigen: Gewalt gegen Frauen, innerfamiliäre Gewalt, Kindesmissbrauch etc. Solche Romane könnte man auch rein soziologisch betrachten. Sie fügen sich in größere Zusammenhänge ein, werden Teil der allgemeinen "Gegenwartsliteratur". Wie aber hängen Themen mit bestimmten Schreibweisen zusammen? Entstehen so Genre-Hybride? Welche Dominanten definieren dann die Zugehörigkeit eines Romans zum Genre "Kriminalroman"?

Panel V
Global Crime – Krimi überall gleich Krimi?
Kriminalliteratur von hoher Qualität gibt es auf allen Kontinenten. Das bedeutet aber nicht, dass ihre Position im literarischen Feld überall die gleiche ist. Kriminalliteratur kann also verschiedene Funktionen in verschiedenen Gesellschaften haben – in patriarchalisch strukturierten, in autoritären und vor allem in Umbruchgesellschaften. Außerdem befindet sie sich immer im interkulturellen Dialog mit ihren "westlichen" Traditionen. Können Einzelphilologien mit dieser Extension umgehen? Kulturwissenschaftliche Ansätze und auch solche, die sich auf "serielles Erzählen" spezialisieren, kommen um die Frage nicht herum, ob es tatsächlich einen gemeinsamen "Global Code" für Kriminalliteratur gibt.